Vorträge und Lesungen

moderiertes Gespräch

Wie demokratisch war das Kaiserreich?

"Blut und Eisen auch im Innern". Soziale Konflikte, Massenpolitik und Gewalt in Deutschland vor 1914 (Campus, 2021)

Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 begann eine Phase rasanter Umwälzungen und tiefgreifender Umbrüche. Das allgemeine Männerwahlrecht wurde eingeführt, zusammen mit einer pluralen Parteienlandschaft entstand ein politischer Massenmarkt, gleichzeitig war der neue Nationalstaat trotz – oder gerade wegen – dieser Modernisierungsschübe von Revolutionsängsten, Unsicherheitsgefühlen, Rassismus, Antifeminismus und Nationalismus geprägt. Nicht zuletzt aufgrund dieser Widersprüche werden die Prozesse der Modernisierung und die damit verknüpften Konflikte, die Politik und Gesellschaft im ersten deutschen Nationalstaat kennzeichneten, auch 150 Jahre nach der Reichsgründung noch immer kontrovers diskutiert.
Amerigo Carusos neue Studie "Blut und Eisen auch im Innern" eröffnet nun neue Perspektiven, indem sie die Grenzen staatlicher Repression, die Privatisierung von Gewalt sowie neue Konflikt- und Protestformen in einer sich rasant modernisierenden Gesellschaft wie dem späten Kaiserreich rekonstruiert.
Der Autor Dr. Amerigo Caruso (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) und Maike Jung (Universität des Saarlandes) präsentieren die Ergebnisse der Studie und diskutieren diese – insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um die (un)demokratische Tradition bzw. die Modernität des Kaiserreichs – im größeren Kontext der Demokratiegeschichte.

  • 06. Oktober 2021 | 18:00 Uhr
  • Politische Akademie der SDS
    Europaallee 18
    66113 Saarbrücken

  • AnsprechpartnerIn
    Elena Steinmetz
    0681 - 906 26 - 11
    es@sdsaar.de


Maike Jung

Maike Jung (M.A.) hat Historisch orientierten Kulturwissenschaften an der Universität des Saarlandes studiert und ist seit 2014 im Bereich der historisch-politischen Bildung für die Stiftung Demokratie Saar tätig. Seit 2019 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Kultur- und Mediengeschichte an der Universität des Saarlandes. Im Rahmen Ihres Promotionsprojekts befasst sie sich mit Katholizismus und katholischer Frömmigkeit in der Grenzregion im 19. Jahrhundert.

Maike Jung

Dr. Amerigo Caruso

Dr. Amerigo Caruso ist seit 2019 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neure Geschichte und Landesgeschichte an der Universität des Saarlandes. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die Geschichte von Nationalismus, politischer Gewalt und sozialen Konflikten in Europa im 19. und 20. Jahrhundert. Nach dem Studium der Politikwissenschaften, Neueren Geschichte und Globalgeschichte an der Universität Mailand promovierte er 2017 an Universität des Saarlandes. Zwischen 2017 und 2019 war er als Postdoc an der Universität Padua im ERC-Forschungsprojekt „The Dark Side of the Belle Époque." beschäftigt. Sein neues Buch zum Deutschen Kaiserreich erscheint im Frühjahr 2021 im Campus Verlag.

Dr. Amerigo Caruso


finanziell unterstützt von


Kooperationspartner